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auto_storiesGute-Nacht-Geschichten

Grow und die Zauberbrücke

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Trag einen Namen ein, dann steht er in der Geschichte. Er bleibt nur auf diesem Gerät.

Hinter dem Wald führt eine kleine Holzbrücke über den Bach, Schatz, und heute stehst du darauf, mit deinem roten Boot in der Hand. Es gehört dir, und es ist dein liebstes. Da kommt ein kleiner Biber und fragt, ob er es kurz halten darf. Deine Hände schließen sich von allein, schneller als du denken kannst. Es ist nicht so, dass du es nicht geben willst. Du hast Angst, dass es nicht zurückkommt.

„Verleihen? Kinderleicht“, sagt Grow und hält dem Biber seinen stacheligen Tannenzapfen hin. „Bitte sehr!“ Der Biber berührt ihn kaum, da schnappt Grow ihn schon zurück. „So, ich verleihe!“ Und noch einmal. „Bitte sehr!“ Zack. „Verleihen!“ Beim dritten Mal geht es so schnell, dass der Biber nur blinzelt. „Grow“, sagst du, „er hat ihn nicht mal gesehen.“

Grow setzt sich hin und lässt die Ohren hängen. „Länger schaffe ich es nicht. Ich weiß ja nicht, wann er zurückkommt.“ Und da macht es klick. Du schaust auf deine Füße: Die Brücke hat fünf Bretter. „Ich weiß“, sagst du. „Biber, du darfst es halten, während ich über die Brücke gehe und zurück. Fünf Bretter hin, fünf Bretter zurück. Dann gibst du es mir.“ Der Biber nickt. Jetzt hat das Verleihen ein Ende, das man sehen kann.

Du gibst das Boot her. Deine Hände fühlen sich leer und fremd an. Los geht es: ein Brett, zwei, drei. Das Schwerste ist, nicht zurückzuschauen. Beim vierten schaust du doch, und da ist es: Das kleine rote Segel fängt die Sonne und blitzt einmal auf, als wollte es sagen, ich bin noch da. Fünf. Dann zurück: vier, drei, zwei, eins. Und bevor du ein Wort sagen kannst, hält der Biber dir das Boot mit beiden Pfoten entgegen.

„Es ist zurückgekommen“, sagst du, und du wunderst dich, wie viel leichter sich das anfühlt. Dann schiebt der Biber dir seine glatte graue Muschel hin, ganz ohne dass jemand gefragt hat. Du nimmst sie und sagst die Zahl sofort dazu: „Zehn Bretter.“ Grow strahlt. „Sag mal, Schatz“, fragt Grow, „sind wir heute ein kleines Stück gewachsen?“ Ja, seid ihr. „Und hier ist dein kleiner Schritt für morgen“, sagt Grow. „Wenn du jemandem etwas leihst, sag auch dazu, wann es zurückkommt. Zähl Schritte, Bretter oder Sekunden, Hauptsache, das Ende ist zu sehen.“ Bis morgen, Schatz.

💡Zum Reden

  • Wie fühlst du dich, wenn jemand nach deinem Lieblingsspielzeug fragt?
  • Wie viele Bretter hat die Brücke, und warum war das wichtig?
  • Wie lange dürfte dein Spielzeug bei jemand anderem bleiben?

👪Für dich

Kinder zwischen zwei und fünf bauen gerade erst ein Gefühl für Besitz auf. Nicht teilen zu wollen ist in diesem Alter ein Entwicklungsschritt, kein Egoismus. Was fehlt, ist nicht Großzügigkeit, sondern ein Griff auf die Zeit: „du bekommst es wieder“ klingt genauso vage wie „nie“. Deshalb hilft es, dem Verleihen ein Ende zu geben, das man zählen oder ablaufen kann, und dieses Ende das Kind bestimmen zu lassen. Ein Kind zum Teilen zu zwingen beruhigt den Moment und lehrt für später das Gegenteil, nämlich dass Dinge weggenommen werden können, sobald ein Erwachsener das entscheidet. Wenn eine Leihgabe ein paar Mal sauber zum vereinbarten Zeichen zurückgekommen ist, lockern sich die Hände von selbst.

🎨Probiert das

🚤 Vereinbart das Ende, bevor etwas verliehen wird. Lass dein Kind ein Spielzeug verleihen und selbst bestimmen, wann es zurückkommt: zehn Schritte, ein Lied, bis zwanzig zählen. Ein Ende, das man hören oder ablaufen kann, ist viel leichter als „gleich“.

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