Dein Kind fiebert oder hustet, und du stehst vor derselben Frage wie alle anderen Eltern an diesem Abend: abwarten oder anrufen? Die meisten Infekte im Kleinkindalter sind viral und gehen zu Hause vorbei. Ein paar Zeichen tun das nicht.

Sofort den Notruf 112 wählen bei:

Für alles andere gilt: die Zahl auf dem Thermometer sagt weniger als das, was du siehst. Ein Kind mit 39,2 °C, das trinkt und spielt, macht oft weniger Sorgen als eines mit 38,3 °C, das nur noch teilnahmslos daliegt.

Kurzübersicht: die Temperaturgrenzen in Deutschland

TemperaturWie es heißtWas zu tun ist
36,5–37,5 °Cnormale Körpertemperaturnichts, Schwankungen über den Tag sind normal
37,6–38,4 °Cerhöhte Temperaturviel trinken anbieten, ruhiger Tag, nachmessen
ab 38,5 °CFieberBettruhe, viel trinken, Temperatur im Blick behalten
ab 38 °C in den ersten LebenswochenFieber beim jungen Säuglingnoch heute ärztlich abklären
ab 39,0 °Chohes FieberWäsche wechseln, nicht zu warm einpacken, fiebersenkende Mittel nur nach Absprache

Diese Einteilung stammt vom BIÖG und weicht bewusst von amerikanischen Übersichten ab: dort beginnt Fieber schon bei 38 °C, hier erst bei 38,5 °C, außer bei sehr jungen Säuglingen (BIÖG, Fieber bei Babys und Kindern). Wenn du in einem Ratgeber andere Zahlen liest, ist das oft der Grund.

Fieber ist keine Krankheit

Fieber zeigt, dass der Körper auf Erreger reagiert und die Abwehr hochfährt. Viren und Bakterien vermehren sich bei höherer Körpertemperatur schlechter. Das BIÖG formuliert das ausdrücklich als Argument gegen den Reflex, jedes Fieber sofort zu senken.

Zwei Sätze, die den Abend leichter machen:

Bei sehr jungen Säuglingen dreht sich das um. In den ersten Lebenswochen ist die Fähigkeit, überhaupt mit Fieber zu reagieren, noch nicht voll ausgebildet. Eine normale Temperatur schließt dort eine ernste Infektion nicht aus. Wirkt ein Neugeborenes schlapp, trinkt schwach oder verändert die Hautfarbe, gehört es in die Praxis, auch ohne Fieber. Für die ersten Tage zu Hause steht die längere Liste in Die erste Nacht zu Hause mit dem Neugeborenen.

Worauf du achtest

Vier Dinge decken fast alles ab.

Temperatur. Wie hoch, seit wann, geht sie nach fiebersenkenden Maßnahmen zurück, kommt sie nach fieberfreien Stunden wieder.

Trinken. Trinkt dein Kind, wird die Windel regelmäßig nass, kommen beim Weinen Tränen, ist der Mund innen feucht.

Atmung. Schnell oder angestrengt, ziehen sich die Rippen ein, bewegen sich die Nasenflügel, sind Lippen oder Fingernägel bläulich.

Verhalten. Wach und ansprechbar, tröstbar, spielt es wenigstens kurz. Und dann der Punkt, den keine Tabelle enthält: wirkt es verändert, ohne dass du sagen kannst warum.

Der letzte Punkt ist kein Bauchgefühl im abwertenden Sinn. Das BIÖG nennt ihn eigens als Grund, sich an eine Praxis zu wenden, auch wenn du keine Erklärung anbieten kannst.

Wann du zu Hause bleiben kannst

Wahrscheinlich reicht Beobachten, wenn dein Kind älter als drei Monate ist, unter 39 °C hat, trinkt, regelmäßig nass macht, wach und tröstbar ist, ruhig atmet und keinen ungewöhnlichen Ausschlag hat.

Was zu Hause hilft, ist wenig spektakulär: alle halbe Stunde etwas zu trinken anbieten, leicht verdauliche Speisen ohne Druck, Ruhe, ein paar feuchte Tücher auf der Heizung für die Luftfeuchtigkeit. Fiebersenkende Mittel gibt es, wenn dein Kind deutlich leidet, nicht um die Zahl zu drücken, und in der Dosierung, die deine Kinderarztpraxis für sein Gewicht freigegeben hat.

Dass der Schlaf in einer Infektwoche zusammenbricht, ist normal und keine Regression. Wie du danach wieder hineinfindest, steht in Übermüdetes Baby: die Anzeichen und im Leitfaden zum Babyschlaf von 0 bis 2 Jahren.

Wann du noch am selben Tag anrufst

Ruf an, statt bis morgen zu warten, wenn:

Diese Liste stammt aus der BIÖG-Übersicht dazu, wann ärztliche Abklärung nötig ist (BIÖG, Wann unbedingt ärztliche Hilfe nötig ist).

Außerhalb der Sprechzeiten, am Wochenende und an Feiertagen ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 erreichbar und sagt dir, wohin du fahren sollst. Das ist die Nummer für „das kann nicht bis Montag warten, aber es ist kein Notfall“. Der Notruf 112 bleibt den Zeichen ganz oben vorbehalten.

Wenn du anrufst, hilft ein fertiger Zeitstrahl: seit wann das Fieber läuft, was du wann gegeben hast, wie oft die Windel nass war. Die Triage am Telefon geht damit deutlich schneller.

Husten: was normal ist und was nicht

Bis zum Schulalter sind acht bis zwölf Atemwegsinfekte im Jahr normal, gerade im ersten Kita-Jahr. Ein Infekt braucht mit oder ohne Behandlung meist sieben bis zehn Tage. Das ist der Grund, warum sich der Winter anfühlt wie eine einzige lange Erkältung.

In die Praxis gehört der Husten, wenn:

Bei Erbrechen und Durchfall im Rahmen eines Infekts schaut man in Deutschland auch auf den Stuhl. Welche Farben harmlos sind und welche in die Praxis gehören, zeigt der Stuhlfarben-Check.

Was du besser lässt

Wenn der Infekt abklingt

Die häufigste Sorge in dieser Phase: das Fieber war einen Tag weg und ist wieder da. Das kann eine zweite Infektion sein oder der ursprüngliche Infekt, der noch einmal aufflammt. Beides gehört an dem Tag ans Telefon, nicht in die nächste Woche.

Die Erholung dauert außerdem länger, als Eltern erwarten. Appetit, Schlaf und Energie brauchen oft ein bis zwei Wochen, bis sie wieder normal sind. Kein Druck beim Essen in dieser Zeit. Wenn der Appetit deutlich länger wegbleibt, ist das ein eigenes Thema, siehe Baby isst wenig: was tun.

Wie KidyGrow dir hilft

Eine Fieberwoche ist genau die Woche, in der Notizzettel verloren gehen. Du schläfst zu wenig, die Tage verschwimmen, und um zwei Uhr nachts kommt die Frage: seit wann geht das eigentlich.

Genau da hilft es, wenn sich etwas anderes als du das merkt. Du tippst Temperatur und Gabe ein, wenn sie passieren, und der Tagesüberblick hält den Faden. Beim Anruf in der Praxis liest du dann nicht „Montag? Vielleicht Dienstag?“ vor, sondern: Dienstag 14:30, 38,6 °C. Dienstag 22:00, Paracetamol. Mittwoch 6:00, fieberfrei. Mittwoch 18:00, wieder 38,9 °C. Das triagiert die Praxis in Sekunden.

Manche Wochen sind einfach zwei Infekte hintereinander, und die App findet darin kein Muster, weil keines da ist. Was bleibt, ist die kleinere, brauchbarere Sache: die Frage am Morgen ist nicht mehr „was war diese Woche überhaupt“, sondern „das war diese Woche, jetzt kann ich entscheiden“.

Häufige Fragen

Ab welcher Temperatur hat mein Kind in Deutschland Fieber?

Ab 38,5 °C spricht man von Fieber, ab 39 °C von hohem Fieber. 37,6 bis 38,4 °C heißt erhöhte Temperatur. Bei Säuglingen in den ersten Lebenswochen gilt schon ab 38 °C Fieber, und dort ist der Anruf in der Praxis Pflicht, nicht Ermessenssache.

Muss ich jedes Fieber senken?

Nein. Fiebersenkende Mittel sind für ein Kind gedacht, das deutlich leidet, nicht für eine Zahl. Solange dein Kind trinkt, ansprechbar ist und ruhig atmet, ist Fieber ein Teil der Abwehr und darf laufen. Die Dosierung geht nach Gewicht und nach Absprache mit deiner Kinderarztpraxis.

Das Fieber war weg und ist wiedergekommen. Schlimm?

Das gehört noch am selben Tag abgeklärt. Dahinter kann eine zweite, oft bakterielle Infektion stecken, oder der Infekt flammt noch einmal auf. Aus der Ferne lässt sich das nicht unterscheiden, und genau deshalb ist es ein Anruf wert.

Wann rufe ich 116117 und wann 112?

116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst außerhalb der Sprechzeiten, also für alles, was nicht bis zum nächsten Werktag warten kann. 112 ist der Notruf und gilt bei Atemnot, Bewusstseinsstörung, Nackensteife, Krampfanfall oder Verdacht auf eine Sepsis.

Wie viele Infekte pro Jahr sind normal?

Bis zum Schulalter sind acht bis zwölf Atemwegsinfekte im Jahr normal und kein Grund zur Sorge. Im ersten Kita-Jahr fühlt es sich nach mehr an, weil sie dicht aufeinander folgen. Ein einzelner Infekt braucht in der Regel sieben bis zehn Tage.

Mein Kind hatte einen Fieberkrampf. Was mache ich?

Ruhig bleiben, das Kind auf die Seite legen, nichts in den Mund schieben, auf die Uhr schauen. Ein Fieberkrampf gehört immer ärztlich abgeklärt, und bei einem ersten oder anhaltenden Krampf wählst du 112.

Ressourcen in Deutschland

Quellen

  1. BIÖG, kindergesundheit-info.de: Fieber bei Babys und Kindern (abgerufen 2026).
  2. BIÖG, kindergesundheit-info.de: Wann unbedingt ärztliche Hilfe nötig ist (abgerufen 2026).
  3. BIÖG, kindergesundheit-info.de: Atemwegsinfekte bei Kindern (abgerufen 2026).
  4. Kinderärzte im Netz: Fieber (abgerufen 2026).
  5. NHS: Fever in children (abgerufen 2026).
  6. NHS: Cough (abgerufen 2026).

_Dieser Text dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Sorge um die Symptome deines Kindes wende dich an deine Kinderarztpraxis, außerhalb der Sprechzeiten an 116117, im Notfall an 112. Im Zweifel anrufen. Das ist dort ausdrücklich erwünscht._