Wenn dein Baby plötzlich sabbert, auf allem herumkaut und nachts öfter wach wird, ist Zahnen eine naheliegende Erklärung. Die kurze Fassung:

Nicht jede unruhige Woche ist Zahnen. Ein guter Teil dessen, was Eltern dem Zahnen zuschreiben, hat einen anderen Grund.

Kurzübersicht: die Milchzähne der Reihe nach

ZähneMeist im Alter vonWas Eltern merken
Untere mittlere Schneidezähne6–10 Monateviel Speichel und Kauen, zwei weiße Punkte
Obere mittlere Schneidezähne8–12 Monatenachts oft die unruhigste Phase
Seitliche Schneidezähne9–16 Monatemeist unauffälliger als die ersten vier
Erste Backenzähne13–19 Monategrößerer Zahn, ein paar zähe Tage
Eckzähne16–23 Monateoft kurz heftig, dann vorbei
Zweite Backenzähne23–33 Monatetagsüber quengelig, Schlaf meist stabiler

Das BIÖG nennt als typischen Start sechs bis acht Monate und beschreibt dieselbe Reihenfolge: erst die unteren, dann die oberen Schneidezähne, dann die seitlichen, dann die ersten Backenzähne, zuletzt die Eckzähne (kindergesundheit-info.de, Die Entwicklung der Zähne). Manche Babys haben mit drei Monaten einen Zahn, andere kurz vor dem ersten Geburtstag. Beides kommt vor.

Woran du erkennst, dass dein Baby zahnt

Das sind die Zeichen, die fachlich wirklich zum Zahnen gehören:

Der NHS führt dieselbe Liste und ergänzt eine gerötete Wange auf der Seite des durchbrechenden Zahns (NHS, Baby teething symptoms).

Wenn dein Baby vor allem nachts viel wacher ist, lohnt der zweite Blick: Übermüdung sieht dem Zahnen zum Verwechseln ähnlich und dauert länger, siehe Übermüdetes Baby: die Anzeichen.

Was nicht vom Zahnen kommt

Hier wird am meisten Falsches weitergegeben. Das BIÖG ist an dieser Stelle deutlich: Zähne zu bekommen ist keine Krankheit. Wenn dein Baby beim Zahnen krank wirkt, Durchfall oder hohes Fieber hat, hat das andere Ursachen und gehört in der Kinderarztpraxis abgeklärt.

Der teuerste Denkfehler in diesem Thema ist, einen Infekt als Zahnen abzutun. Bei Fieber wird der Zahn zur Nebensache.

Was wirklich hilft

Die Empfehlungen sind unspektakulär, und genau das ist der Punkt:

Der NHS empfiehlt ausdrücklich, es zuerst mit diesen Dingen zu versuchen und erst dann an Medikamente zu denken (NHS, Tips for helping your teething baby).

Schmerzmittel: wann ja, wann nein

Die meisten Zahndurchbrüche brauchen kein Medikament. Für die eine wirklich harte Nacht ist Paracetamol nach Gewicht eine Option, und ab sechs Monaten kommt Ibuprofen infrage. Beides nur nach Rücksprache mit deiner Kinderarztpraxis und nach Gewicht dosiert, nicht nach Alter.

Auf Deutsch: Paracetamol ist ein Werkzeug für eine schwere Stunde, keine Gewohnheit. Hinter den Mitteln gegen Zahnungsbeschwerden steckt ohnehin viel weniger Forschung, als man erwarten würde. Ein systematisches Review von 2022, das nach allem gesucht hat, was je beim Zahnen untersucht wurde, fand insgesamt fünf klinische Studien, alle mit hohem oder ernstem Verzerrungsrisiko, und stufte die Sicherheit der Evidenz als sehr niedrig ein (Canto et al., Brazilian Oral Research, 2022).

Was du besser lässt

Zahnen und Schlaf

Zahnen stört den Schlaf, aber meist nur für ein paar Nächte rund um den Durchbruch. Wir rechnen in der Beratung mit zwei bis fünf unruhigen Nächten pro Zahn. Das ist eine Faustregel aus der Praxis und keine Zahl aus einer Leitlinie, aber sie hilft beim Einordnen: Wochen am Stück gehören nicht dazu.

Wenn dein Baby seit zwei Wochen jede Nacht mehrfach wach wird, such nach einer anderen Ursache, bevor du den nächsten Zahn verantwortlich machst. Sechs Wochen "Zahnen" am Stück gibt es nicht. Der Rhythmus des Tages steckt öfter dahinter, siehe Leitfaden zum Babyschlaf von 0 bis 2 Jahren.

Zahnen und Essen

Manche Babys trinken oder essen ein paar Tage weniger, weil Saugen und Kauen unangenehm sind. Das gleicht sich meist von selbst wieder aus. Wenn dein Baby dagegen über mehrere Tage deutlich weniger isst, ist das ein eigenes Thema und nicht mehr der Zahn, siehe Baby isst wenig: was tun und den Leitfaden zur Ernährung von 0 bis 3 Jahren.

Sobald der erste Zahn da ist, wird geputzt, einmal täglich mit einer reiskorngroßen Menge Kinderzahnpasta. In Deutschland ist dafür auch der erste Zahnarzttermin vorgesehen: die zahnärztliche Früherkennung Z1 steht zwischen dem 6. und dem 9. Lebensmonat an und wird seit Januar 2026 im gelben Heft dokumentiert (BIÖG, Untersuchungstermine).

Wann du anrufen solltest

Auf das Gefühl kannst du dich verlassen. In der Praxis ist ein Anruf, der sich als harmlos herausstellt, immer besser als ein Infekt, der als Zahnen durchgeht.

Häufige Fragen

Kann Zahnen Fieber machen?

Eine leicht erhöhte Temperatur unter 38 °C kann dazugehören. Richtiges Fieber ab 38 °C kommt nicht vom Zahnen. Geh in dem Fall von einem Infekt aus und lass es abklären, gerade in den ersten Lebensmonaten.

Mein Baby ist zehn Monate alt und hat noch keinen Zahn, ist das schlimm?

Meistens nicht. Die normale Spanne reicht gut über den ersten Geburtstag hinaus. Wenn bis zum 18. Lebensmonat kein Zahn da ist, sprich es bei der nächsten U-Untersuchung an.

Macht Zahnen Durchfall?

Nein. Mehr Speichel kann den Stuhl etwas weicher machen, echter Durchfall hat eine andere Ursache und sollte nicht als Zahnen abgetan werden.

Sind Bernsteinketten sicher?

Nein. Sie sind eine Strangulations- und Verschluckungsgefahr ohne belegten Nutzen. Wenn dein Baby etwas zum Kauen braucht, ist ein gekühlter Beißring die sichere Variante.

Wie lange dauert ein einzelner Zahn?

Der unangenehme Teil sind meist ein paar Tage rund um den Durchbruch durch das Zahnfleisch. Bis der Zahn ganz sichtbar ist, vergehen Wochen, aber die Beschwerden konzentrieren sich auf einen kurzen Zeitraum.

Darf ich nachts ein Schmerzmittel geben?

Gelegentlich ja, wenn deine Kinderarztpraxis die Dosierung nach Gewicht für dein Baby freigegeben hat. Als tägliche Gewohnheit ist es der falsche Weg, und es verdeckt andere Ursachen.

Ab wann muss ich Zähne putzen?

Ab dem ersten Zahn, einmal täglich mit einer reiskorngroßen Menge Kinderzahnpasta, später zweimal. Die zahnärztliche Früherkennung Z1 ist zwischen dem 6. und 9. Lebensmonat vorgesehen.

Wie KidyGrow dir hilft

Die schwierige Frage beim Zahnen ist selten "tut es weh", sondern "ist es überhaupt der Zahn". Genau da hilft es, wenn sich jemand die letzten zwei Wochen merkt. KidyGrow lernt dein Baby, während du Schlaf, Stimmung, Mahlzeiten und Auffälligkeiten einträgst.

Nach ein paar Tagen sieht der Tagesüberblick Dinge, die im Alltag untergehen: dass die unruhigen Nächte diesmal seit neun Tagen laufen und nicht seit drei, dass sie mit einem späten Schläfchen zusammenfallen und nicht mit dem Kauen am Vormittag. Das ist der Unterschied zwischen "wir warten den Zahn ab" und "das ist kein Zahn".

Manchmal findet die App nichts Brauchbares, weil zwei Dinge gleichzeitig laufen, Zahn und Schnupfen zum Beispiel. Aber wenn du beim nächsten Termin gefragt wirst, seit wann das geht, hast du eine Antwort statt eines Achselzuckens.

Quellen

  1. BIÖG, kindergesundheit-info.de: Die Entwicklung der Zähne (abgerufen 2026).
  2. BIÖG, kindergesundheit-info.de: Untersuchungstermine U1 bis U9, J1 und Z1 bis Z6 (abgerufen 2026).
  3. NHS, Baby teething symptoms (abgerufen 2026).
  4. NHS, Tips for helping your teething baby (abgerufen 2026).
  5. Canto FMT et al. Efficacy of treatments used to relieve signs and symptoms associated with teething: a systematic review. Brazilian Oral Research, 36, e066 (2022) (abgerufen 2026).
  6. AAP, Teething jewelry: FDA warning (abgerufen 2026).
  7. FDA, Safely Soothing Teething Pain and Sensory Needs in Babies and Older Children (abgerufen 2026).

_Dieser Text dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Fieber, Dosierungsfragen oder Sorgen um dein Baby wende dich an deine Kinderarztpraxis._