Die kurze Antwort, nach der deutschen Leitlinie der Kinder- und Jugendärzte:

Hausaufgaben zählen nicht mit. Und es sind Richtwerte, keine Prüfung: Ein Reisetag mit zwei Stunden Zeichentrick macht einen Monat mit guten Gewohnheiten nicht kaputt.

Kurzübersicht: Bildschirmzeit nach Alter

AlterRichtwert für die FreizeitWas das im Alltag heißt
0–3 JahrebildschirmfreiVideotelefonat mit den Großeltern ist kein Problem, Zeichentrick schon
3–6 Jahrehöchstens 30 Minuten an einzelnen Tagengemeinsam schauen, bildschirmfreie Tage dazwischen
6–9 Jahrehöchstens 30–45 Minuten an einzelnen TagenHausaufgaben am Tablet zählen nicht, Spielen danach schon
9–12 Jahrehöchstens 45–60 Minuteneigene Spielkonsole nicht vor 9
12–16 Jahrehöchstens 2 Stundeneigenes Smartphone nicht vor 12, Internet unter Aufsicht
16–18 JahreOrientierung: weiterhin höchstens 2 StundenBegleitung in die Eigenverantwortung

Woher die deutschen Zahlen kommen

Die Werte stammen aus der S2k-Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs, federführend von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Im Juni 2026 wurde sie nach inhaltlicher Prüfung bis 2028 verlängert, die Zahlen gelten also weiter (AWMF 027-075, Elternversion). Das BIÖG übernimmt sie in seine Tabelle für Familien und ergänzt Hörmedien: unter drei Jahren höchstens 30 Minuten Musik oder Hörgeschichten, von drei bis sechs höchstens 45 Minuten, von sechs bis neun höchstens 60 (BIÖG).

Zwei Wörter in der Tabelle werden oft überlesen. „An einzelnen Tagen“ heißt: nicht jeden Tag. Die halbe Stunde ist eine Obergrenze für die Tage, an denen überhaupt geschaut wird, kein tägliches Kontingent. Und „mit einem Erwachsenen“ heißt, dass bis neun Jahre jemand dabei ist, der mitschaut und hinterher mit dem Kind darüber redet.

Bei den Kleinsten geht die Leitlinie noch einen Schritt weiter. Je weniger Babys und Kleinkinder anderen beim Bildschirm zuschauen, desto besser, also auch dem großen Bruder am Handy oder dir am Smartphone. Wenn du dringend etwas am Gerät erledigen musst, dann am besten, wenn das Baby nicht dabei ist.

Was die AAP 2026 geändert hat

Wer amerikanisch googelt, stößt auf andere Zahlen: keine Bildschirme vor 18 Monaten außer Videotelefonaten und von 18 Monaten bis fünf Jahren etwa eine Stunde am Tag (AAP HealthyChildren). Die Weltgesundheitsorganisation ist bei den Jüngsten strenger: unter zwei Jahren gar keine Bildschirmzeit, mit zwei bis vier Jahren höchstens eine Stunde, und weniger ist besser (WHO, 2019).

Im Februar 2026 hat die amerikanische Kinderärztevereinigung AAP den Schwerpunkt verschoben. Kinder und Medien ließen sich nicht allein über Bildschirmgrenzen betrachten, heißt es im neuen Positionspapier, auch das Design der Apps zähle, die auf endlose Nutzung gebaut sind (Munzer et al., Pediatrics, 2026). Für Eltern fasst die AAP das in den „5 Cs“ zusammen: das Kind selbst, der Inhalt, die Ruhe, das Verdrängen anderer Dinge und das Gespräch. Ihre Merkblätter für kleine Kinder nennen keine Minuten mehr (AAP, 5 Cs).

Die deutschen Richtwerte sind damit nicht überholt. Sie sind bei den Kleinen schlicht strenger als die amerikanischen, und die AAP-Fragen passen gut daneben: Was schaut mein Kind, warum gerade jetzt, und was fällt dafür weg?

Warum nicht jede Minute gleich ist

Die größte Auswertung zu Bildschirmen und Sprache fasst 42 Studien mit fast 19.000 Kindern zusammen. Mehr Bildschirmzeit und mehr laufender Fernseher im Hintergrund hingen mit schwächeren Sprachfähigkeiten zusammen. Gute Sendungen, gemeinsames Schauen und ein späterer Einstieg hingen mit besseren zusammen (Madigan et al., 2020). Das sind Zusammenhänge, kein Beweis, dass der Bildschirm die Ursache ist. Sie zeigen aber in dieselbe Richtung wie die Leitlinien.

Drei Fragen helfen beim Auswählen:

Und schalte die automatische Wiedergabe aus. Eine gute Folge, die endet, ist etwas anderes als eine Stunde von dem, was der Algorithmus als Nächstes vorschlägt. Wie Bildschirm und Sprechenlernen zusammenhängen, steht ausführlich in Verzögert Bildschirmzeit die Sprache?

Was für jedes Alter gilt

Die Leitlinie gibt zu den Zahlen zehn Empfehlungen, die unabhängig vom Alter gelten. Vier davon verändern den Alltag am meisten:

Für das Internet nennt die Leitlinie klare Grenzen: unter neun Jahren gar nicht, bis 16 nur unter Aufsicht. Anleitungen für Jugendschutz-Einstellungen auf Geräten findest du bei medien-kindersicher.de.

Im Alltag entscheiden

Wirkt dein Kind nach dem Schauen teilnahmslos, gereizt oder überdreht, war es vermutlich zu lang. Dann beim nächsten Mal kürzen.

Häufige Fehler

Wann du dir Rat holst

Bildschirme allein verursachen selten eine Entwicklungsstörung, sie können aber eine überdecken oder verstärken. Sprich in der Kinderarztpraxis an, wenn dein Kind Bildschirme deutlich lieber mag als Menschen und auch ohne Bildschirm kaum Blickkontakt sucht, wenn die Sprache klar hinter dem Alter zurückbleibt (woran du das erkennst, steht in Sprachverzögerung: wann du Hilfe holen solltest) oder wenn Abschalten so heftigen Kummer auslöst, dass euer Alltag darunter leidet. Die Vorsorgeuntersuchungen sind ein guter Anlass, das Thema ohne Scham anzusprechen.

Bei älteren Kindern und Jugendlichen nennt die Leitlinie ausdrücklich die Suchtgefahr. Wenn Schule, Freunde oder Schlaf über Wochen dem Bildschirm weichen, hilft ein Gespräch in der Praxis oder das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer, anonym und kostenlos unter 0800 111 0 550.

Eine gute Alternative zum Bildschirm ist übrigens eine beantwortete Frage. Im Warum-Alter helfen dafür die Entdeckerkarten im Auto, in der Warteschlange und in der Badewanne.

Häufige Fragen

Wie viel Bildschirmzeit ist mit 2 Jahren okay?

Nach der deutschen Leitlinie am besten gar keine. Videotelefonate mit Großeltern sind davon ausgenommen. Die WHO sieht es ähnlich und nennt für Zweijährige höchstens eine Stunde, wobei weniger besser ist. Wenn doch einmal etwas läuft, dann kurz, ruhig und mit dir zusammen.

Zählen Hausaufgaben am Tablet zur Bildschirmzeit?

Nein. Die Richtwerte gelten für die Freizeit. Achte aber darauf, ob dein Kind gerade wirklich Hausaufgaben macht oder nebenher Filme schaut und spielt. Die Leitlinie rät, das klar zu trennen.

Ab wann ein eigenes Smartphone?

Die Leitlinie sagt: nicht vor zwölf Jahren, und auch dann mit beaufsichtigter Internetnutzung. Eine eigene Spielkonsole nicht vor neun, weil Kinder mit eigenem Gerät im Schnitt doppelt so viel Zeit mit Computerspielen verbringen.

Sind Lern-Apps besser als Zeichentrick?

Inhalt zählt, aber die Zeit zählt trotzdem mit. In der Auswertung von Madigan hingen gute Lernsendungen und gemeinsames Schauen mit besserer Sprache zusammen. Ein Freifahrtschein für mehr Minuten ist das nicht.

Was ist mit Hörspielen und Musik?

Die zählen nicht als Bildschirmzeit, haben beim BIÖG aber eigene Richtwerte: unter drei Jahren höchstens 30 Minuten am Tag, von drei bis sechs höchstens 45, von sechs bis neun höchstens 60.

Mein Kind schaut seit Wochen mehr als empfohlen. Ist es jetzt zu spät?

Nein. Fang mit einer Sache an, die sofort wirkt, etwa bildschirmfreie Mahlzeiten oder Schluss eine Stunde vor dem Bett. Danach die Zeit schrittweise kürzen und gemeinsame Alternativen anbieten. Für die freie halbe Stunde findest du in Kind zum Sprechen anregen einfache Ideen.

Wie KidyGrow dir hilft

KidyGrow zählt keine Bildschirmminuten und sperrt keine Geräte. Das sagen wir lieber gleich.

Wo die App hilft, ist der Abend, an dem die meisten Bildschirmfragen eigentlich entschieden werden. Du trägst Schläfchen und Schlafenszeiten mit wenigen Fingertipps ein, die App merkt sie sich und zeigt dir den Schlaf der letzten sieben Tage im Durchschnitt. Der Abendplan bezieht die letzten 24 Stunden ein und passt sich daran an. Ist dein Kind schon länger wach, als für sein Alter üblich, plant er mit einem übermüdeten Kind, und genau das ist oft der Abend, an dem sonst das Tablet zum Einsatz kommt. Wie der Abendplan arbeitet, steht in Der Abendplan.

Wie viel Bildschirm in eurer Familie passt, entscheidet ihr. Die App hält nur den Schlaf im Blick, der dabei als Erstes leidet.

Quellen

  1. DGKJ et al., S2k-Leitlinie Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend, AWMF-Register 027-075, Elternversion (Version 1.1, gültig bis 2028) (abgerufen Oktober 2026).
  2. BIÖG (kindergesundheit-info.de), Wie oft und wie lange dürfen Kinder Medien nutzen? (abgerufen Oktober 2026).
  3. Munzer, T. et al. (2026). „Digital Ecosystems, Children, and Adolescents: Policy Statement.“ _Pediatrics_, 157(2), e2025075320. PubMed 41556917
  4. American Academy of Pediatrics, The 5 Cs of Media Use (abgerufen Oktober 2026).
  5. AAP HealthyChildren.org, Why to Avoid TV Before Age 2 (abgerufen Oktober 2026).
  6. WHO, To grow up healthy, children need to sit less and play more (2019) (abgerufen Oktober 2026).
  7. Madigan, S. et al. (2020). „Associations Between Screen Use and Child Language Skills: A Systematic Review and Meta-analysis.“ _JAMA Pediatrics_, 174(7), 665–675. PubMed 32202633

_Dieser Text dient der Information und ersetzt keine Beratung in der Kinderarztpraxis._