Die kurze Antwort, nach der deutschen Leitlinie der Kinder- und Jugendärzte:
- Unter 3 Jahren: am besten gar keine Bildschirmzeit
- 3 bis 6 Jahre: höchstens 30 Minuten, an einzelnen Tagen, mit einem Erwachsenen
- 6 bis 9 Jahre: höchstens 30 bis 45 Minuten, ebenfalls nicht täglich
- 9 bis 12 Jahre: höchstens 45 bis 60 Minuten Freizeit am Bildschirm
- 12 bis 18 Jahre: höchstens 2 Stunden Freizeit am Bildschirm
Hausaufgaben zählen nicht mit. Und es sind Richtwerte, keine Prüfung: Ein Reisetag mit zwei Stunden Zeichentrick macht einen Monat mit guten Gewohnheiten nicht kaputt.
Kurzübersicht: Bildschirmzeit nach Alter
| Alter | Richtwert für die Freizeit | Was das im Alltag heißt |
|---|---|---|
| 0–3 Jahre | bildschirmfrei | Videotelefonat mit den Großeltern ist kein Problem, Zeichentrick schon |
| 3–6 Jahre | höchstens 30 Minuten an einzelnen Tagen | gemeinsam schauen, bildschirmfreie Tage dazwischen |
| 6–9 Jahre | höchstens 30–45 Minuten an einzelnen Tagen | Hausaufgaben am Tablet zählen nicht, Spielen danach schon |
| 9–12 Jahre | höchstens 45–60 Minuten | eigene Spielkonsole nicht vor 9 |
| 12–16 Jahre | höchstens 2 Stunden | eigenes Smartphone nicht vor 12, Internet unter Aufsicht |
| 16–18 Jahre | Orientierung: weiterhin höchstens 2 Stunden | Begleitung in die Eigenverantwortung |
Woher die deutschen Zahlen kommen
Die Werte stammen aus der S2k-Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs, federführend von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Im Juni 2026 wurde sie nach inhaltlicher Prüfung bis 2028 verlängert, die Zahlen gelten also weiter (AWMF 027-075, Elternversion). Das BIÖG übernimmt sie in seine Tabelle für Familien und ergänzt Hörmedien: unter drei Jahren höchstens 30 Minuten Musik oder Hörgeschichten, von drei bis sechs höchstens 45 Minuten, von sechs bis neun höchstens 60 (BIÖG).
Zwei Wörter in der Tabelle werden oft überlesen. „An einzelnen Tagen“ heißt: nicht jeden Tag. Die halbe Stunde ist eine Obergrenze für die Tage, an denen überhaupt geschaut wird, kein tägliches Kontingent. Und „mit einem Erwachsenen“ heißt, dass bis neun Jahre jemand dabei ist, der mitschaut und hinterher mit dem Kind darüber redet.
Bei den Kleinsten geht die Leitlinie noch einen Schritt weiter. Je weniger Babys und Kleinkinder anderen beim Bildschirm zuschauen, desto besser, also auch dem großen Bruder am Handy oder dir am Smartphone. Wenn du dringend etwas am Gerät erledigen musst, dann am besten, wenn das Baby nicht dabei ist.
Was die AAP 2026 geändert hat
Wer amerikanisch googelt, stößt auf andere Zahlen: keine Bildschirme vor 18 Monaten außer Videotelefonaten und von 18 Monaten bis fünf Jahren etwa eine Stunde am Tag (AAP HealthyChildren). Die Weltgesundheitsorganisation ist bei den Jüngsten strenger: unter zwei Jahren gar keine Bildschirmzeit, mit zwei bis vier Jahren höchstens eine Stunde, und weniger ist besser (WHO, 2019).
Im Februar 2026 hat die amerikanische Kinderärztevereinigung AAP den Schwerpunkt verschoben. Kinder und Medien ließen sich nicht allein über Bildschirmgrenzen betrachten, heißt es im neuen Positionspapier, auch das Design der Apps zähle, die auf endlose Nutzung gebaut sind (Munzer et al., Pediatrics, 2026). Für Eltern fasst die AAP das in den „5 Cs“ zusammen: das Kind selbst, der Inhalt, die Ruhe, das Verdrängen anderer Dinge und das Gespräch. Ihre Merkblätter für kleine Kinder nennen keine Minuten mehr (AAP, 5 Cs).
Die deutschen Richtwerte sind damit nicht überholt. Sie sind bei den Kleinen schlicht strenger als die amerikanischen, und die AAP-Fragen passen gut daneben: Was schaut mein Kind, warum gerade jetzt, und was fällt dafür weg?
Warum nicht jede Minute gleich ist
Die größte Auswertung zu Bildschirmen und Sprache fasst 42 Studien mit fast 19.000 Kindern zusammen. Mehr Bildschirmzeit und mehr laufender Fernseher im Hintergrund hingen mit schwächeren Sprachfähigkeiten zusammen. Gute Sendungen, gemeinsames Schauen und ein späterer Einstieg hingen mit besseren zusammen (Madigan et al., 2020). Das sind Zusammenhänge, kein Beweis, dass der Bildschirm die Ursache ist. Sie zeigen aber in dieselbe Richtung wie die Leitlinien.
Drei Fragen helfen beim Auswählen:
- Tempo: Lässt die Sendung deinem Kind Zeit, mitzukommen, oder jagt ein Schnitt den nächsten?
- Pausen: Wartet sie auf eine Antwort, oder läuft sie einfach weiter?
- Danach: Kann dein Kind mit dem Gesehenen etwas anfangen, etwa auf einen echten Hund zeigen, weil es vorhin einen gesehen hat?
Und schalte die automatische Wiedergabe aus. Eine gute Folge, die endet, ist etwas anderes als eine Stunde von dem, was der Algorithmus als Nächstes vorschlägt. Wie Bildschirm und Sprechenlernen zusammenhängen, steht ausführlich in Verzögert Bildschirmzeit die Sprache?
Was für jedes Alter gilt
Die Leitlinie gibt zu den Zahlen zehn Empfehlungen, die unabhängig vom Alter gelten. Vier davon verändern den Alltag am meisten:
- Kein Bildschirm als Belohnung, Strafe oder Beruhigung. Wenn das Tablet das Einzige ist, was einen Ausraster stoppt, übt dein Kind keine andere Art, sich zu beruhigen. Besser vorausplanen: Lieblingsspielzeug oder Buntstifte griffbereit.
- Nicht beim Essen. Bei gemeinsamen Mahlzeiten sind Fernseher und alle Handys aus, auch die der Erwachsenen.
- Schlaf schützen. Nachts keine Geräte im Kinderzimmer, und mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen ist Schluss. Die Leitlinie schlägt dafür ein „Handyhotel“ vor, eine Kiste im Wohnzimmer, in der abends alle Geräte der Familie übernachten. Wenn das Abschalten selbst der Auslöser für den Streit ist, hilft Wutanfall vor dem Schlafengehen.
- Vorbild sein. Kinder schauen sich ab, wie die Großen mit dem Handy umgehen. Das Gerät öfter außer Sichtweite legen hilft mehr als jede Regel für das Kind.
Für das Internet nennt die Leitlinie klare Grenzen: unter neun Jahren gar nicht, bis 16 nur unter Aufsicht. Anleitungen für Jugendschutz-Einstellungen auf Geräten findest du bei medien-kindersicher.de.
Im Alltag entscheiden
- Unter drei Jahren und kein Videotelefonat → kein Bildschirm.
- Drei bis sechs Jahre, heute noch nichts geschaut, und du brauchst 20 Minuten zum Kochen → eine kurze, ruhige Folge ist in Ordnung. Schau auf die Woche, nicht auf den einzelnen Tag.
- Essen oder die letzte Stunde vor dem Bett → aus, in jedem Alter.
- Ein krankes Kind, eine lange Autofahrt, ein Tag, an dem nichts geht → Ausnahmen sind ausdrücklich erlaubt. Das BIÖG empfiehlt sogar, sie einzuplanen, für Regentage zum Beispiel, und umgekehrt auch ganz medienfreie Tage (BIÖG).
Wirkt dein Kind nach dem Schauen teilnahmslos, gereizt oder überdreht, war es vermutlich zu lang. Dann beim nächsten Mal kürzen.
Häufige Fehler
- Der Fernseher läuft nebenbei. Eine Sendung, die niemand schaut, zieht trotzdem Aufmerksamkeit vom Spielen und Reden ab. In der Auswertung von Madigan gehörte Hintergrundfernsehen zu den deutlichsten Zusammenhängen mit schwächerer Sprache.
- Freier Zugriff auf Tablet oder Handy. Geräte gehören an einen gemeinsamen Ort, nicht ins Kinderzimmer.
- Jede Woche neu verhandeln. Wenn ein Elternteil Nein sagt und der andere das Handy rüberreicht, wird jeder Tag zur Verhandlung. Ein paar gemeinsame Regeln auf einem Zettel nehmen viel Streit raus.
- Die Zahl wichtiger nehmen als den Inhalt. 30 Minuten Lieblingsfolge mit dir auf dem Sofa sind etwas anderes als 30 Minuten Kurzvideos allein.
Wann du dir Rat holst
Bildschirme allein verursachen selten eine Entwicklungsstörung, sie können aber eine überdecken oder verstärken. Sprich in der Kinderarztpraxis an, wenn dein Kind Bildschirme deutlich lieber mag als Menschen und auch ohne Bildschirm kaum Blickkontakt sucht, wenn die Sprache klar hinter dem Alter zurückbleibt (woran du das erkennst, steht in Sprachverzögerung: wann du Hilfe holen solltest) oder wenn Abschalten so heftigen Kummer auslöst, dass euer Alltag darunter leidet. Die Vorsorgeuntersuchungen sind ein guter Anlass, das Thema ohne Scham anzusprechen.
Bei älteren Kindern und Jugendlichen nennt die Leitlinie ausdrücklich die Suchtgefahr. Wenn Schule, Freunde oder Schlaf über Wochen dem Bildschirm weichen, hilft ein Gespräch in der Praxis oder das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer, anonym und kostenlos unter 0800 111 0 550.
Eine gute Alternative zum Bildschirm ist übrigens eine beantwortete Frage. Im Warum-Alter helfen dafür die Entdeckerkarten im Auto, in der Warteschlange und in der Badewanne.
Häufige Fragen
Wie viel Bildschirmzeit ist mit 2 Jahren okay?
Nach der deutschen Leitlinie am besten gar keine. Videotelefonate mit Großeltern sind davon ausgenommen. Die WHO sieht es ähnlich und nennt für Zweijährige höchstens eine Stunde, wobei weniger besser ist. Wenn doch einmal etwas läuft, dann kurz, ruhig und mit dir zusammen.
Zählen Hausaufgaben am Tablet zur Bildschirmzeit?
Nein. Die Richtwerte gelten für die Freizeit. Achte aber darauf, ob dein Kind gerade wirklich Hausaufgaben macht oder nebenher Filme schaut und spielt. Die Leitlinie rät, das klar zu trennen.
Ab wann ein eigenes Smartphone?
Die Leitlinie sagt: nicht vor zwölf Jahren, und auch dann mit beaufsichtigter Internetnutzung. Eine eigene Spielkonsole nicht vor neun, weil Kinder mit eigenem Gerät im Schnitt doppelt so viel Zeit mit Computerspielen verbringen.
Sind Lern-Apps besser als Zeichentrick?
Inhalt zählt, aber die Zeit zählt trotzdem mit. In der Auswertung von Madigan hingen gute Lernsendungen und gemeinsames Schauen mit besserer Sprache zusammen. Ein Freifahrtschein für mehr Minuten ist das nicht.
Was ist mit Hörspielen und Musik?
Die zählen nicht als Bildschirmzeit, haben beim BIÖG aber eigene Richtwerte: unter drei Jahren höchstens 30 Minuten am Tag, von drei bis sechs höchstens 45, von sechs bis neun höchstens 60.
Mein Kind schaut seit Wochen mehr als empfohlen. Ist es jetzt zu spät?
Nein. Fang mit einer Sache an, die sofort wirkt, etwa bildschirmfreie Mahlzeiten oder Schluss eine Stunde vor dem Bett. Danach die Zeit schrittweise kürzen und gemeinsame Alternativen anbieten. Für die freie halbe Stunde findest du in Kind zum Sprechen anregen einfache Ideen.
Wie KidyGrow dir hilft
KidyGrow zählt keine Bildschirmminuten und sperrt keine Geräte. Das sagen wir lieber gleich.
Wo die App hilft, ist der Abend, an dem die meisten Bildschirmfragen eigentlich entschieden werden. Du trägst Schläfchen und Schlafenszeiten mit wenigen Fingertipps ein, die App merkt sie sich und zeigt dir den Schlaf der letzten sieben Tage im Durchschnitt. Der Abendplan bezieht die letzten 24 Stunden ein und passt sich daran an. Ist dein Kind schon länger wach, als für sein Alter üblich, plant er mit einem übermüdeten Kind, und genau das ist oft der Abend, an dem sonst das Tablet zum Einsatz kommt. Wie der Abendplan arbeitet, steht in Der Abendplan.
Wie viel Bildschirm in eurer Familie passt, entscheidet ihr. Die App hält nur den Schlaf im Blick, der dabei als Erstes leidet.
Quellen
- DGKJ et al., S2k-Leitlinie Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend, AWMF-Register 027-075, Elternversion (Version 1.1, gültig bis 2028) (abgerufen Oktober 2026).
- BIÖG (kindergesundheit-info.de), Wie oft und wie lange dürfen Kinder Medien nutzen? (abgerufen Oktober 2026).
- Munzer, T. et al. (2026). „Digital Ecosystems, Children, and Adolescents: Policy Statement.“ _Pediatrics_, 157(2), e2025075320. PubMed 41556917
- American Academy of Pediatrics, The 5 Cs of Media Use (abgerufen Oktober 2026).
- AAP HealthyChildren.org, Why to Avoid TV Before Age 2 (abgerufen Oktober 2026).
- WHO, To grow up healthy, children need to sit less and play more (2019) (abgerufen Oktober 2026).
- Madigan, S. et al. (2020). „Associations Between Screen Use and Child Language Skills: A Systematic Review and Meta-analysis.“ _JAMA Pediatrics_, 174(7), 665–675. PubMed 32202633
_Dieser Text dient der Information und ersetzt keine Beratung in der Kinderarztpraxis._






