Fünfzehn Monate ist ein unangenehmes Alter zum Sorgenmachen. Die U6 liegt hinter euch, die U7 kommt erst mit etwa zwei Jahren, und dazwischen sitzt du mit einer Frage, für die gerade kein Termin vorgesehen ist. Die kurze Antwort vorweg:

Die meisten Kinder, die mit 15 Monaten wenig sagen, sprechen später ganz normal. Das heißt nicht, dass du nichts tun kannst.

Kurzübersicht

FrageKurze Antwort
Wie viele Wörter mit 15 Monaten?Die Spanne ist riesig, von wenigen bis mehreren Dutzend
Ist eine Wortgrenze definiert?Nein, erst mit 24 Monaten (unter 50 Wörter)
Was zählt stattdessen?Gesten, Verstehen, Lautvielfalt, Fortschritt
Wie lange beobachten?Vier Wochen, dann die Richtung beurteilen
Wann trotzdem abklären?Keine Gesten, kein Reagieren auf den Namen, Verlust von Können
Wer ist zuständig?Kinderarztpraxis, von dort Hörprüfung oder Logopädie

Warum 15 Monate so viel Sorge auslösen

Zwei Gründe, und beide haben wenig mit deinem Kind zu tun.

Zwischen zwei Vorsorgeterminen. Die U6 findet mit etwa zehn bis zwölf Monaten statt, die U7 mit etwa 21 bis 24. Dazwischen liegt über ein halbes Jahr ohne festen Termin. Genau in dieses Loch fällt die Frage, und viele Eltern warten dann bis zur U7, statt zwischendurch anzurufen. Das musst du nicht: eine Frage zur Sprache ist jederzeit ein Grund für einen Termin.

Der Spielplatzvergleich. Das gleichaltrige Kind, das schon zwanzig Wörter sagt, ist kein Durchschnitt. Der Abstand zwischen Kindern ist in diesem Alter größer als in fast jedem anderen Entwicklungsbereich, und er sagt für sich genommen wenig über später aus.

Das BIÖG formuliert es zurückhaltend: Kinder erschließen sich Sprache in sehr unterschiedlichem Tempo, und der erste Wortschatz wächst bei vielen erst gegen Ende des zweiten Lebensjahres deutlich.

Die vier Dinge, die mehr sagen als die Wortzahl

1. Gesten

Zeigen ist die wichtigste Vorstufe zum Sprechen. Ein Kind, das mit dem Finger auf etwas deutet, damit du es auch ansiehst, hat verstanden, dass man Aufmerksamkeit teilen kann. Das ist die Grundidee jeder Sprache.

Achte auf: zeigen, winken, Kopf schütteln, nicken, etwas bringen und in die Hand legen, die Arme heben zum Hochnehmen. Sechs bis acht Gesten mit 15 Monaten sind ein gutes Zeichen, auch bei wenigen Wörtern. Fehlen Gesten dagegen fast völlig, ist das der eine Punkt aus dieser Liste, der nicht wartet. Mehr dazu in Baby zeigt mit 12 Monaten noch nicht.

2. Verstehen

Das Verstehen läuft dem Sprechen deutlich voraus. Prüfe es ohne Hilfestellung: sag „gib mir den Ball“, ohne dabei auf den Ball zu schauen oder zu zeigen. Wenn dein Kind reagiert, ist die Sprache angekommen, sie kommt nur noch nicht heraus.

Viele Familien landen genau hier: das Kind versteht offensichtlich alles und sagt trotzdem kaum etwas. Dafür gibt es einen eigenen Text, Mein Kind versteht alles, spricht aber nicht.

3. Lautvielfalt

Nicht wie viel geplappert wird, sondern wie unterschiedlich. Ein Kind, das nur „dadada“ produziert, ist an einer anderen Stelle als eines, das „ba“, „ga“, „mi“ und „di“ mischt und dabei die Melodie eines Satzes nachahmt.

Diese Melodie zählt mit. Wer mit Betonung „spricht“, ohne dass ein Wort darin vorkommt, übt gerade die Struktur. Welche Laute wann üblich sind, steht in Welche Laute in welchem Alter.

4. Fortschritt

Das aussagekräftigste Zeichen ist keine Momentaufnahme, sondern eine Richtung. Ist in den letzten vier Wochen irgendetwas dazugekommen? Eine neue Geste, ein neuer Laut, ein neues verstandenes Wort?

Ein Kind mit drei Wörtern, das jede Woche etwas dazulernt, ist in einer besseren Lage als eines mit zehn Wörtern, bei dem seit zwei Monaten nichts Neues passiert. Bewegung schlägt Zahl.

Sieben Tage hinschauen, statt Wörter zu zählen

Nimm dir eine Woche und notiere jeden Abend drei Zeilen. Mehr braucht es nicht.

Nach sieben Tagen hast du etwas, das eine Kinderarztpraxis tatsächlich verwerten kann. „Er spricht nicht“ ist schwer einzuordnen. „In sieben Tagen sechs verschiedene Gesten, fünf verstandene Aufforderungen ohne Hinweis, vier verschiedene Silben, zwei feste Wörter“ ist eine Auskunft.

Zähle dabei großzügig. Als Wort gilt auch, was nicht wie das Wörterbuch klingt, solange dein Kind es gleichbleibend für dieselbe Sache benutzt: „wauwau“ für Hund, „ham“ für Essen, „baba“ für Tschüss.

Häufige Fehler

  1. Nur Wörter zählen. Die Zahl ist in diesem Alter die schwächste Einzelangabe. Gesten und Verstehen sagen mehr.
  2. Die U7 abwarten. Bis dahin können noch neun Monate vergehen. Bei fehlenden Gesten oder Verlust von Können ist das zu lang.
  3. Zwei Sprachen als Ursache annehmen. Mehrsprachig aufwachsende Kinder verteilen ihren Wortschatz auf beide Sprachen, sind aber insgesamt nicht später dran. Mehrsprachigkeit erklärt eine Verzögerung nicht.
  4. Abfragen statt sprechen. „Wie macht die Kuh?“ setzt unter Druck. Benennen, was gerade passiert, wirkt besser als Prüfen.
  5. Das Hören ausklammern. Ein unauffälliges Neugeborenen-Screening schließt eine später erworbene Hörminderung nicht aus. Bei Zweifeln gehört die Hörprüfung an den Anfang, nicht ans Ende.

Wann du die Kinderarztpraxis ansprichst

Vereinbare einen Termin, wenn dein Kind kaum Gesten benutzt und nicht zeigt, wenn es meist nicht auf seinen Namen reagiert, wenn es Laute oder Wörter verloren hat, die es schon konnte, oder wenn du beim Hören unsicher bist. Auch anhaltende Mittelohrergüsse sind ein Grund, genauer hinzusehen.

Kein Grund zur Eile, aber ein Grund zum Beobachten: wenige Wörter bei ansonsten lebhafter Kommunikation. Da reicht es, die sieben Tage zu notieren und in vier Wochen erneut zu schauen.

Der übliche Weg führt über die Kinderarztpraxis: erst Hörprüfung, dann bei Bedarf eine Überweisung zur Logopädie. Was dort im ersten Termin passiert, steht in Logopädie beim Kind.

Häufige Fragen

Wie viele Wörter sollte ein Kind mit 15 Monaten sagen?

Es gibt keine sinnvolle Einzelzahl. Manche Kinder haben mit 15 Monaten zwei Wörter, andere dreißig, und beides liegt im normalen Bereich. Eine definierte Grenze kommt erst mit 24 Monaten ins Spiel, wo weniger als 50 Wörter als Kriterium für einen Late Talker gelten. Mehr dazu in Late Talker oder Sprachentwicklungsstörung.

Mein Kind versteht alles, sagt aber nichts. Ist das schlimm?

Das ist ein deutlich besseres Zeichen als der umgekehrte Fall. Verstehen läuft dem Sprechen normalerweise voraus. Beobachte weiter, und achte vor allem darauf, ob Gesten vorhanden sind und ob etwas dazukommt.

Verzögert Mehrsprachigkeit die Sprache?

Nein. Der Wortschatz verteilt sich auf zwei Sprachen, sodass in einer einzelnen Sprache weniger Wörter auftauchen. Zusammengenommen liegen mehrsprachige Kinder aber im gleichen Bereich. Eine auffällige Verzögerung sollte nie mit der zweiten Sprache erklärt werden.

Sollte ich mein Kind zum Nachsprechen auffordern?

Besser nicht als Hauptmethode. Wirksamer ist, im Alltag zu benennen, was gerade passiert, Pausen zu lassen und auf jede Äußerung zu reagieren, auch auf eine Geste. Ein Sieben-Tage-Plan dafür steht in Kind zum Sprechen anregen.

Was ist, wenn mit 18 Monaten immer noch nichts kommt?

Dann ist es Zeit für einen Termin, auch wenn sonst alles unauffällig wirkt. Was mit 18 Monaten zählt und welche Schritte dann anstehen, steht in Mit 18 Monaten spricht mein Kind noch nicht.

Wie KidyGrow dir hilft

Gesten, verstandene Aufforderungen und neue Laute sind genau die Dinge, die man im Alltag bemerkt und bis zum Abend wieder vergessen hat. „Seit wann?“ ist außerdem die erste Frage in der Praxis.

In KidyGrow hat die Meilensteinliste einen Bereich Kommunikation. Du markierst, was dein Kind schon kann, und die Meilensteine, die du durchgesehen hast, gehen an die KI, damit ihre Vorschläge zu dem passen, wo dein Kind wirklich steht. Wenn dich etwas beunruhigt, hältst du es als Warnsignal mit dem Datum fest, an dem du es zuerst bemerkt hast, und mit einer Notiz.

Wörter oder Gesten zählt die App nicht für dich. Sie hebt die Daten auf, damit es beim nächsten Termin nicht bei „irgendwann im Sommer“ bleibt.

Quellen

  1. BIÖG (kindergesundheit-info.de), Sprachentwicklung: Sprechen und Verstehen lernen (abgerufen 2026).
  2. BIÖG (kindergesundheit-info.de), Entwicklungsschritte: Sprachentwicklung (abgerufen 2026).
  3. BIÖG (kindergesundheit-info.de), Hören: Wie Babys hören lernen (abgerufen 2026).
  4. AWMF-Leitlinie 027-075: Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen (abgerufen 2026).